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Erfolgsprinzipien und böse Geister
Von Frieder Demmer
Übersicht

Seit Neuestem ruft es mir in Deutschland von unterschiedlichen Seiten entgegen:

Auf, auf, zum fröhlichen Jagen, wir brauchen Kriegskunst, Strategeme und Listenreichtum!

Darüber zu sprechen und zu schreiben ist fast so populär wie über den "Reformstau". Kriegskunst, Strategeme und Listenreichtum. Ist dies ein Trend gezündet vom Blockbuster "Troy"? Weit gefehlt! Es geht um Wirtschaft und Management, genauer gesagt um Wirtschaft und Management in China!

Hintergrund der aufkommenden Popularität des Wortes "Strategem" (lat./gr.: Kunstgriff, List, Kriegslist) bilden gleich eine ganze Reihe von mehr oder minder ausführlichen Veröffentlichungen zu einem klassischen Werk des strategischen Denkens in China, dem "Geheimen Buch der Kriegskunst" - "Sanshiliu Ji Miben Bingfa".

Lange war es mehr oder minder verschollen, unter Mao angeblich geheim gehalten (oder verboten - will ich etwas aus China im Westen populär veröffentlichen ist es wichtig, dass es unter Mao "verboten" war) und je nach Profil der Autoren, differieren die Angaben der Entstehungszeit um schlappe 300 Jahre (liegt an der Dauer der Ming-Dynastie und den mehr oder minder intensiven Bemühungen der Betroffenen, das Buch auch innerhalb der Dynastie zu lokalisieren).

Der gemeinsame Tenor aber ist ganz klar: DAS ist der Stoff aus dem die Helden sind. Das ist der Treibstoff der rasanten Entwicklung Chinas. Das klingt erst einmal toll, aber dann stocken wir doch und erinnern uns: Hieß es nicht, das Buch soll in China selbst über Jahrhunderte hinweg nicht veröffentlicht worden sein. Und nun wird es dem Europäer der Gegenwart als DER entscheidende geistige Vorsprung der aufkommenden Supermacht verkauft?

Den Boom dieses Buches fand ich in diesem Sinne zunächst etwas drollig, eine kleine Antwort auf die gern diskutierte Frage, ob die Chinesen sich Europa gegenüber überlegen fühlen sollten. Wenn sie sehen, wie hingerissen wir uns aktuell auf dieses 500 Jahre alte Werk stürzen, werden sie es ohne Zweifel tun... .

Die heitere Angeregtheit darüber schlug ein wenig um, als ich erstmals in Natura erleben musste, wie auf einer Veranstaltung zwei Deutsche in einer Diskussion um das China des 21. Jh. in Anwesenheit von Chinesen anfingen wechselseitig einzelne dieser Strategeme zu zitieren. Da zog ich intuitiv den Kopf ein. Was würden wir wohl denken, wenn sich zwei Chinesen in einer Diskussion um richtiges geschäftliches Handeln in Deutschland begännen, sich intensivst über Äußerungen Fürstenbergs, Spinolas oder Wallensteins zu unterhalten.

Wir wären wohl ein wenig irritiert. Die Chinesen in diesem Fall lächelten freundlich.

Die entscheidende Frage: Brauchen wir tatsächlich Kenntnisse alt-chinesischer "Kriegskunst"? Brauchen wir nach "amerikanischer Kriegskunst" in der Terrorbekämpfung jetzt tatsächlich "chinesische Kriegskunst" im normalen Alltag? Wird die chinesische erfolgreicher sein? Kann nur der "Krieger" in China oder überhaupt überleben?




 
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Florian Feuser
20-jan-05
Meinen Vorrednern ist nur zuzustimmen! Entsprechende Polemiken ließen sich mühelos über sämtlich bemühte chinesische Klassiker schreiben. Traurig, aber wahr: Selbst ernsthafte Versuche, sich "DER chinesischen Denkweise" anzunähern gleiten allzu schnell ab in undifferenzierte Orakelei und Exotismus, ohne zu hinterfragen, inwieweit entsprechende Konzepte überhaupt zur Alltagswirklichkeit in China gehören. Wie Frieder schon andeutet: Der immer wiederkehrende Topos vom ?listigen Chinesen? ist in Europa so gängig wie es der ?listige Grieche? einmal war. Meiner Meinung nach viel interessanter ist, weshalb solche Themen bei uns immer wieder aufgegriffen werden und ihre regelmäßige Renaissance erfahren.
Jedenfalls sind Sunzi, das Daodejing und ja ? auch nicht Konfuzius (bei der Instrumentalisierung des sogenannten Metakonfuzianismus wird es spannend) weder für eine vorbereitende Auseinandersetzung auf einen Arbeitseinsatz noch für die (wissenschaftliche) Erklärung gesellschaftlicher Phänomene und Wandlungsprozesse brauchbar, solange die chinesische Gesellschaft ihnen HEUTE nicht die entsprechende Bedeutung zuerkennt. Derarige Erklärungsansätze sind mir oft doch zu sehr den althergebrachten europäischen Erklärungs- und Deutungsmustern verhaftet.
Also: Ein Volltreffer Frieders!
 
 
Kerstin Kaehler
10-dez-04
Hallo Frieder,

wunderschoener Artikel. :) Und wie nett, mal indirekt etwas Bestaetigung zu bekommen fuer meine bisher eher instinktive als rationale Weigerung mir saemtliche 'Sunzi fuer Manager' und aehnlichen Buecher zu Gemuete zu fuehren...
Schoene Gruesse,
Kerstin
 
 
gfs
01-dez-04
@ FD

Ein Spitzenartikel/Kommentar. Den sollten sich manche Zeitungskorrespondenten mal genau durchlesen. Ich bin zwar kein Businessmensch mehr, aber auch in persönlichen Beziehungen von uns Langnasen zu Chinesen ist der Rat, diese auszubauen, zu vertiefen und nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht, ein guter Rat. Ich bin damit immer gut damit gefahren.
Zaijian gfs
 
 
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