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Alltagshongkongologie: Spiele
Von Jo Schwarz
Übersicht

Das Spiel Mahjong (麻将, »májiàng«) kann als regelrechter Volkssport bezeichnet werden. Gemeint ist allerdings nicht die geistig degradierte Variante, die bei uns im Westen bekannt ist. Es geht bei Mahjong keineswegs darum, gleiche Spielsteine in möglichst kurzer Zeit zu finden. Mahjong ähnelt keiner Patience und ist auch kein chinesisches Solitaire. Die Regeln sind umfangreich und für Westler schwer zu verstehen. Wem in China das Spiel nahegebracht wird, den erinnert es eher an Rommé, denn Mahjong kann nicht nur mit Spielsteinen, sondern auch mit Karten gespielt werden.

Die genauen Regeln sind jedoch gegenüber dem Rommé noch einmal ein Vielfaches umfangreicher und komplizierter. Um es vorwegzunehmen: Selbst wenn sie es geschafft haben, das echte chinesische Mahjong zu erlernen, fordern sie die alte Dame oder den alten Herren, den sie in China im Park treffen, nicht heraus. Sie werden sang- und klanglos untergehen. Warum? Der Chinese an sich und im Allgemeinen erlernt das Spiel bereits in jungen Jahren.

Ein weiteres Spiel, welches sie überall in China antreffen werden, ist das chinesische Schach (象棋, »xiàngqí«). Entgegen dem Mahjong ist es durchaus möglich, das Spiel in relativ kurzer Zeit zu erlernen. Schach versteht sich im weitesten Sinne als Gehirntraining. Darüber sind sich auch Wissenschaftler in Europa einig. Neben selbständigem, logischem und räumlichem Denken fördert Schach die Konzentration, Disziplin, Geduld und Ausdauer sowie die Respektierung des Gegners.

Im Reich des Drachen ist Schachspielen aber so selbstverständlich wie bei uns »Mensch ärgere Dich nicht«. Vielleicht ist es sogar noch viel verbreiteter, denn Schachspieler trifft man in China nahezu überall an. Und auch dabei wird wieder das Gehirn trainiert, denn strategisches Denken wird der linken Gehirnhälfte zugeschrieben, aber gleichzeitig auch der rechten. Die Figuren beim chinesischen Schach sind nämlich eigentlich keine Figuren, sondern runde Scheiben mit chinesischen Schriftzeichen. Formen und Bilder werden wie Schriftzeichen von der rechten Hälfte wahrgenommen.

Im Westen nicht unbedingt so bekannt, in China jedoch eine Selbstverständlichkeit ist das Brettspiel Go (五子棋, »wuziqi«), ebenfalls auf zwei Spieler ausgelegt. »Wuziqi« ist das chinesische Backgammon, welches auch manchmal »Umzingelungsspiel« (围棋, »weiqi«) genannt wird. Die Komplexität von Go übersteigt sogar die des Schachs. Gespielt wird mit linsenförmigen schwarzen und weißen Steinen auf einem Spielbrett, auf dem durch Linien Quadrate gebildet sind. Im Hinblick auf Gehirnjogging ist Go ein wahres Meisterwerk.

Räumliches Nebeneinander, Anfassen und Begreifen, Formen, Sehen, Fühlen, Deuten und Verstehen erfolgen in der rechten Gehirnhälfte. Logisches Denken, Befolgung von Regeln und Anweisungen, Analysieren und zeitliches Nacheinander passieren hingegen in der linken Gehirnhälfte. Es gibt nur wenige Spiele, die eine derart ausgewogene Mischung bieten um das Gehirn zu Höchstleistungen anzuspornen.

Was es sonst noch über »den Chinesen an sich und im Allgemeinen« zu sagen gibt – auch die Dinge, die er selbst am liebsten verschweigen würde – lesen Sie in Jo Schwarz‘ Buch »Der Chinese an sich und im Allgemeinen – Alltagssinologie«, CONBOOK Verlag, ISBN 978-3-943176-90-2.


 
 


 
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