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Third Culture Kids (6): Trauer und Abschied
Von Ann Wöste
Übersicht

Der endgültige Hongkong-Abschied fällt nicht immer leicht. Foto: Altanaka / Fotolia
Eng verbunden mit dem Leben eines Third Culture Kids sind die Themen Abschied, Verlust und Trauer. In den vorangegangenen Artikeln habe ich bereits auf sensible Stationen hingewiesen, wie z.B. während Übergangsphasen, bei der Rückkehr ins Heimatland, dem Umzug an einen anderen Standort oder wenn liebgewonnene Menschen die Expat-Gemeinde verlassen. Großeltern und Verwandte bleiben zurück, Freunde werden gefunden und wieder verloren, Väter reisen früher aus oder kommen später nach und verbringen oft viel Zeit auf Geschäftsreisen. Orte, geliebte Tiere, Häuser und gewohntes Mobiliar müssen zurückgelassen werden und oft auch ein großer Teil an persönlichen Gegenständen, da die Kapazität des Containers begrenzt ist.

Für unsere Kinder sind diese vielen Verluste sehr belastend. Wir Eltern denken oft praktisch bei einem Umzug ins Gastland oder zurück in die Heimat. Vieles hat sich angesammelt und muss aussortiert werden, wollen wir doch nachher nicht in Umzugsgut ersticken oder wissen bereits, dass wir das neue Haus möbliert vorfinden. Kinder hängen sehr an ihren gewohnten Sachen und diese tragen ganz wesentlich zum Wohlfühlen bei. Meine Tochter sprach oft davon, dass sie gerne ein neues Bett hätte. Also dachte ich, die Rückkehr nach Hause sei ein guter Zeitpunkt dafür. Ein sperriges Teil weniger im Container und zu Hause kein langes Warten und notdürftiges Schlafen auf einer Matratze auch dem Fußboden. Ihr Bett blieb einfach stehen, während die Umzugsfirma alles andere verpackte.

Als meine Tochter, die es nicht ertragen konnte, beim Packen dabei zu sein, abends nach Hause kam und das Bett noch stehen sah, bekam sie einen Weinkrampf. Auf keinen Fall würde sie ohne ihr Bett ausreisen! Auch die Aussicht auf ein schönes neues, das sie sich doch gewünscht hatte, war kein Trost. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ein Kompromiss wurde gefunden. Das Bett sollte bis zu den Herbstferien im Haus bleiben, da wir dann noch einmal zu Besuch kämen, weil der Vertrag meines Mannes bis zum Jahresende ging, und dann sollte das Bett im Container eines Kollegen seine Reise nach Deutschland antreten. Die Aussicht, ein halbes Jahr auf der besagten Matratze auf dem Fußboden zu nächtigen, schreckte sie nicht, und das Bett hat sie bis heute.

Von vielen Freundinnen, die ebenfalls mit ihrer Familie einige Jahre im Ausland verbracht haben, weiß ich, dass ihre Kinder sich ausgesprochen schwer damit tun, sich von Dingen zu trennen. Das Ausmisten des Kleiderschrankes wird zum Kampf, in dem um jedes zu klein gewordene Kleidungsstück hart verhandelt wird. Auch das Zimmer dem Alter anzupassen und Bücher, Spiele, Kuscheltiere oder Kleinkram auszusortieren scheint schier unmöglich und kostet die Eltern und Kinder gleichermaßen Kraft und Nerven.
Aber natürlich ist das sich Trennen müssen von Kleidung und Besitz nichts im Vergleich zum sich Trennen müssen von Menschen und Tieren.


 
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