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Flowers of War und antijapanische Ressenti   guter beitrag schlechter beitrag
Ausserirdischer
03-jan-12
Als waschechter C(h)ineast muss ich jetzt mal den neuen Streifen von Zhang Yimou zur Sprache bringen. Teuerste chinesische Produktion aller Zeiten + ganz oben auffen China Box Office Charts mit eingespielten 400 Millionen RMB nach 2 Wochen Laufzeit.

Hab den Film aus Zeitmangel noch nich geguckt aber kenne den Inhalt aus Erzählungen und Synopsen.

Sehr bemerkenswert ist dass hier in China wieder und wieder Anti-Japan-Ressentiments angefacht werden. Die Nanjing-Massaker-Filmwelle rollte ja erst 2009 über's Festland. Wat damit erreicht werden soll geht in mein kleines Hirn nicht rein.

O-Ton ner chinesischen Freundin (white collar) nach dem Flowers of War gucken: "I hate the Japanese"
 
 
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Xiaojo
03-jan-12
Ich erinnere mich an viele ungenehmigte Demonstrationen in chinesischen Staedten gegen die Japaner und die eigene Regierung.

Die Chinesische Regierung geht da pragmatisch vor. Sie instrumentalisiert die Proteste um von der Innenpolitik abzulenken. Sobald es eskaliert gibt es ein paar demonstrative Niederschlagungen von Protesten und Verhaftungen. Sie haelt den Kessel der Antijapanbewegung immer auf einem gewissen Druck. Nimmt der Druck zu stark zu öffnen sie ein Ventil, aber wenn der Druck nachlaesst wird die Flamme trotzdem künstlich am Leben gehalten.

Auf der anderen Seite hatte bereits Mao den Japanern mitgeteilt, dass Kompensationen/Reparationen nicht mehr notwendig sind. Man könnte sich denken, dass das wohl 'naiv' ist, man kann darin aber auch einen pragmatischen Umgang erkennen 1.) insbesondere immer einen Buhfeind zu haben, auf dem man alles was innenpolitisch schlecht laeuft, schieben kann. Ausserdem 2.) half die Aktion aussenpolitisch um China aus der Isolation zu holen.

Tatsaechlich kennen die wenigsten Chinesen überhaupt Japaner persönlich. Es ist einfach so was der Bauer nicht kennt das frisst er nicht. Dabei waren es die Japaner, die als erstes asiatisches Volk sich erfolgreich gegen die Westlichen Supermaechte zur Wehr setzen und dem Imperialismus der westlichen Welt Einhalt baten. Sie versenkten die russsische Flotte und legten den Grundstein im 2WW, dass viele asiatische Voelker sich nun nach Selbstbestimmung sehnten. Die Verbrechen der Japaner im 2W sind ganz klar eine Schande und wurden in Japan nicht richtig aufgeklaert - da gibt es viel zu tun. Allerdings, wenn man als Chinese die Fehler der Japaner erkannt hat sollte man es tunlichst vermeiden sie selbst zu wiederholen.

Die Massaker der Japaner in China sind und bleiben für viele Chinesen unvergessen. Entschuldigt haben sich Japanische Poltiker schon sehr haeufig, das Argument zieht nicht mehr. Das Einzige was wirklich hilft ist eine lückenlose Aufklaerung der Geschichte mit binationalen Teams, dies gibt es teils bereits schon, aber noch nicht in einem ausreichenden Mass. Eine symbolische Exhumierung der bekannten Kriegsverbrecher in den einzelnen Grabstaetten etc. wäre auch sinnvoll.

Allerdings: wenn Japan das tatsaechlich macht, hat die KP ein Problem: wer ist dann der zukünftige Sündenbock?

Die USA? Und dann geht es wirklich nur noch über Geschichtsverfaelschung. Irgendwann draengt die Wahrheit an die Oberflaeche und China wird an ihr innenpoltisch zerbrechen, wenn sie nicht rechtzeitig für ein gewisses Mass an Eigenreflextion zulassen und entsprechend Dinge verbessern.
 
 
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chinafreak1
03-jan-12
Wenn man sich die offiziellen Geschichtslehrbuecher hier ansieht, dann bedarf es eigentlich nicht mehr des Fims, um antijapanische Resentiments zu schueren.

Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Die Geschichtsbuecher strotzen eben auch von ausfuehrlichen Schilderungen der "chinesischen Niederlagen" der letzten 150 Jahre. Meine Studis and Schueler fragen oft, warum China so schwach war und fuehlen sich deshalb als Underdogs.

Im uebrigen ist es lehrreich mal die antijapanischen Resentiments auf Taiwan und in Korea in Betracht beziehen. Das alles ist vergleichbar mit den Gefuehlen der Menschen in einem Land im Osten Deutschlands.
 
 
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Gastrologe (Gast)
05-jan-12
Es ist bemerkenswert, daß AUCH Japaner bei Sichtung einer unterschiedlich pigmentierten Person auf den Boden spucken...
Chinesisch-japanische Animositäten? Mir egal. Hahaha
 
 
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